Praxen des Cross-Dressings

Selbstausdruck und/oder Kritik der Heteronormativität?

M.A. Kulturanalysen, 2019, Lüder Tietz

Das Lehr-Lern-Forschungsprojekt „Praxen des Cross-Dressings: Selbstausdruck und/oder Kritik der Heteronormativität?“ erforschte mit Bezug auf Konzepte von Judith Butler das Subversionspotenzial von Cross-Dressing-Praktiken. Die Projektforschung fand im Rahmen des Projektmoduls kul260 des Masterstudiengangs Kulturanalysen des Instituts für Materielle Kultur statt und startete Anfang des Sommersemesters 2018 und endete zum Ende des Wintersemesters 2018/2019. Die Forschung setzte sich aus zehn Einzelforschungen zusammen, die Cross-Dressing in Kontexten von Alltagspraktiken sowie popkulturellen Kunst- und Kulturphänomenen mit einem breiten Methodenspektrum von Ethnografie bis Medien- und Dress-Analyse untersuchten.

Die Forschungsfrage “Inwieweit kann Cross-Dressing als subversive Praxis verstanden werden, die die hegemoniale heteronormative Geschlechter- und Sexualitätenordnung verschiebt, und inwieweit reproduziert es diese Ordnung?” konnte nicht eindeutig beantwortet werden, da Subversion in unterschiedlichen Settings unterschiedlich zu bewerten ist. Festgehalten werden kann, dass eine heteronormative Gesellschaft eine Ablehnung gegenüber Cross-Dressing produziert. Irritationsmomente mittels Cross-Dressing können in den unterschiedlichsten Situationen ausgelöst werden, haben dennoch nicht immer die gleiche Wirkung auf diedenBetrachter*in. Gleichzeitig kann es aber auch neugierige, überinterpretierende und inspirierende Reaktionen auslösen. Dabei spielt es eine große Rolle, in welchen Milieus und mit welchen Techniken Cross-Dressing betrieben wird. Cross-Dressing-Performanzen mit lackierten Fingernägeln bei maskulin konnotierten Personen können beispielsweise der Veruneindeutigung der Grenze performativ hergestellter Geschlechter dienen.

Veröffentlichung des Kinderbuchs: Nour fragt Warum?

Die Forschungsergebnisse wurden der allgemeinen Öffentlichkeit im Sinne der performativen Sozialforschung in Form eines selbstverfassten Kinderbuchs zugänglich gemacht. Das Ziel des Kinderbuchs ist es, Kindern spielerisch-forschend Möglichkeitsräume bezüglich des Selbstausdrucks durch Kleidung aufzuzeigen. Die Auseinandersetzung von Kindern mit Geschlechterstereotypen beginnt bereits im Vorschulalter und wird u.a. voran getrieben durch eine Kinderbuchliteratur, welche die hegemoniale Geschlechter- und Sexualitätenordnung reproduziert. Wir wollten mit diesem Kinderbuch ein Teil des wachsenden Zweigs der Kinderbücher werden, welche die Diversität von Kindern berücksichtigt und unterstützt, und einen Beitrag zur Diskussion um die Thematisierung geschlechtlicher Vielfalt u.a. in Kindergärten leisten. Wir entschieden uns für ein Vorlese- bzw. Erstlesebuch, um Kinder möglichst früh anzusprechen.

In der Erzählung, die auf unserer Forschung beruht, steht ein Kind, das immer wieder auf Situationen trifft, die Kleiderordnungen und Abweichungen davon thematisieren. Das Kinderbuch wurde nach der Fertigstellung im Rahmen einer Veranstaltung Studierenden und weiteren Mitgliedern der Universität präsentiert. Das Kinderbuch – Nour fragt Warum – kann beim Isensee Verlag in Oldenburg und bei vielen Online-Anbietern erworben werden.

Das Projekt wurde gefördert von der Carl von Ossietzky Universität, dem Projekt FLiF+, der Nowetas Stiftung, dem FemRef Oldenburg und dem ZFG Oldenburg.

Einzelforschungen

Brigitte Boomgaarden: Die satirische Kunstaktion von Travestie für Deutschland – Eine subversive visuelle Praktik?

Sabrina Draheim: Subversive und widerständige Praktiken kenianischer Butches

Falk Ewers: Bunte Nägel – das Phänomen lackierter Fingernägel bei Männern

Juliane Friedrich: “You do You” – Der 11jährige Dragkünstler Desmond is Amazing als Vorbild für eine neue Generation von Drag Queens

Jasmin Johannsen: “Same DNA, but born this way” – Lady Gaga und die künstlerische Subversion von Drag

Franziska Madmouj: Subversionspotential in Mainstream-Videospielen: Der Cross-Dressing-Mod in DIE SIMS 4

Hekmat Muffleh: Stilisierung des idealisierten Körperbildes bei Cross-Dresser*innen

Julia Schmelter: The Rocky Horror Picture Show – Das subversive am Fankult: Drag als Pastiche on Stage

Yukino Shimojo: Cross-Dressing in der Cosplay-Szene

Lisa Sommer: Analyse des Musikvideos Nancy Boy von Placebo